Strandaufspülung auf Norderney

Zur Sicherung der Küstenschutzanlagen auf Norderney werden im Auftrag des Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in den nächsten Wochen ca. 250.000 Kubikmeter Sand in die Buhnenfelder am Westkopf zwischen der Liegehalle und dem Januskopf eingespült. Die Sandverluste während des Winters haben die Maßnahme notwendig gemacht.

Aufspülbereich am Westkopf von Norderney (Foto:NLWKN)

Die Maßnahme ist erforderlich, da die 17 Sturmfluten des Winters 2011/ 2012 weitere starke Sandverluste am Strand verursacht hatten, was die Situation nach den Sandabtragungen der vorangegangenen Winter weiter verschärfte. Die Vermessung des Strand- und Vorstrandbereichs durch den NLWKN hatte insbesondere in dem rund 1,6 Kilometer langen Abschnitt zwischen der Liegehalle und dem Januskopf ein sehr niedriges Strandniveau ergeben.

Der Sand für die Norderneyer Strandaufspülungen stammt aus der westlich von Norderney liegenden „Robbenplate“. In diesem Jahr 2012 wird erstmals ein so genannter Laderaumsaugbagger oder Hopperbagger den Sand aus der Entnahmestelle in seinen Laderaum aufsaugen und damit zu einer Koppelstation fahren, die vor den Buhnen zwischen Milchbar und Moltkestraße liegt.

Der Hopperbagger ELBE aus den Niederlanden ist ca. 79 m lang und 15 m breit.

Über eine ca. 100 Meter lange Schwimmleitung sowie eine auf dem Meeresgrund verlegte ca. 350 Meter lange Dükerleitung wird ein Sand-Wasser-Gemisch in Richtung Strand gepumpt. Eine Längsleitung am Fuß des Deckwerks verteilt das Sand-Wasser-Gemisch in die einzelnen Buhnenfelder, wo sich der Sand ablagert. Die Einspülung wird durch Planierraupen unterstützt.

Ein deutlich abnehmendes Strandniveau birgt die Gefahr, dass die Fußsicherungen und Einfassungen der Deckwerke und Buhnen unterspült werden können und so das gesamte Bauwerk gefährdet wird. Deshalb müssen die Strände regelmäßig durch künstliche Zufuhr von Sand aufgespült werden. Die erste derartige Maßnahme am Westkopf Norderneys erfolgte bereits im Jahr 1951/52. Die letzte von bisher elf Aufspülungen fand im Jahr 2007 statt.

Strandaufspülungen zum Schutz der Inseln gegen die Angriffe des Meeres haben sich nicht nur auf Norderney bewährt. Sie fügen sich besser in die natürlichen, dynamischen Prozesse ein als ein weiterer Ausbau von Buhnen und Deckwerken und gleichen als Maßnahme des aktiven Küstenschutzes natürliche Sedimentdefizite aus.

Die Kosten der aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe des Bundes und der Länder zur Verbesserung des Küstenschutzes finanzierten Maßnahme betragen rund 2,2 Millionen Euro. Beauftragt wurde eine Firma aus den Niederlanden.

Die Arbeiten sollen bis Ende September beendet sein. Bis dahin bittet das NLWKN um Geduld und Verständnis für die Arbeiten.

Mit einer Schautafel informiert der NLWKN über die Strandaufspülung.

Leider ist die Maßnahme mit erheblicher Lärmbelästigung verbunden: Der Hopperbagger fährt umher und gibt dabei gelegentlich Horn-Signale von sich, während der Dieselmotor tuckert, und auf dem Strand fahren die Raupen herum, die das Wasser-Sand-Gemisch verteilen. Bei ungünstigen Winden saßen dabei am vergangenen Wochenende vor allem die Bewohner der Kaiserstraße akustisch in der ersten Reihe- und bei den nächtlichen Arbeiten wahrscheinlich senkrecht in ihren Betten.

Ihnen dürfte das Verständnis für solcherlei Küstenschutzmaßnahmen mit großer Wahrscheinlichkeit abgehen. Nichtsdestoweniger: Der Zeitplan ist eng gestrickt, und mit dem Herbst steht auch schon die nächste Sturmsaison in den Startlöchern.